4-spännig an der Schweizer Meisterschaft 2017

...oder Glück ist: Wenn Vorbereitung und Möglichkeiten aufeinander treffen.
 
Sommer 2017
Wie es dazu kam, wer im Team dabei war und wieso die Teilnahme überhaupt möglich war, trotz der relativ kurzen Vorbereitungszeit, möchte ich euch heute berichten.

Wer schon an einem Kurs in der HETS-Schule dabei war, kennt unsere Vorstellungsrunde am ersten Tag, in der jeder sein persönliches Ziel mit Pferden formulieren darf oder muss. Ich sage jeweils: «Wenn ich 65 Jahre alt bin, möchte ich mit 4 Mulis an der SM im Gespannsfahren teilnehmen.» Genau genommen hätte ich noch 11 Jahre Zeit dafür.
Als unsere HETS-Trainerin Susanne Oertle, 30, während ihrer Assistenztage im Spätherbst 2016 sich dies wieder anhören «musste», meinte sie beiläufig, man müsste ja nicht 65 werden, um zu sehen, wie gross der Aufwand dafür ist, weil dann könne man ja das Ziel wieder umformulieren. Sie ist selber lizenzierte 1-Spänner Turnierfahrerin und fragte mich, wann ich denn gedenke mit dem Trainieren zu beginnen?
So entstand diese Schnapsidee, Ende März 2017, als meine Skisaison im Engadin zu Ende ging und ich in Gedanken wieder am Packen für die Frühlingskurse in Landquart war.
Interessanterweise durfte ich anlässlich des Sponsoren Brunches vom Herbst 2016 bei Martin Wagner, welcher damit Geld sammelte für seine Turniersaison 2017, seinen Marathon- und Dressurwagen für minimales Geld ‹erben›, da er sich selber mit neuerem und besseren Material ausrüsten wollte. Martin gibt seit Jahren, im Oktober jeweils einen Fahrkurs in der HETS - Schule in Landqaurt und gute Freunde darf man ja bekanntlich alles fragen, so nahm ich das Telefon Ende März 2017 in die Hand, leicht euphorisch und vor allem etwas unternehmungslustig, jedoch auch mit dem Gedanken, dass er eh NEIN sagen würde.

«Gäll Martin, das wäre eine wahnwitzige Idee, dieses Jahr an der SM 4-spännig teilzunehmen?» Ich habe zum Glück sein Gesicht nicht gesehen. Er sagte etwas nüchtern: „Dafür müsstest du jedoch als erstes im Besitze der Fahrlizenz sein. Tja – das hatte ich geahnt. Dann jedoch meinte er: „Genau genommen wäre es vermutlich nie mehr so einfach wie dieses Jahr, da es Änderungen im Reglement gibt, um die sterbende Teilnehmerzahl bei den 4-spännern wieder etwas anzukurbeln und ev. wäre das sogar super, weil es im Moment noch gar nicht genug Gespanne gäbe, um ein Turnier überhaupt durchzuführen, weil sich das Datum der SM mit der EM in Göteborg überschneidet.
Ok dachte ich mir, dh., ich müsste vorher noch die Lizenz machen oder jemanden finden der die Lizenz hat und mitmachen würde.....mmhhhh
«Ja und du müsstest mindestens 2 Qualifikationsturniere fahren», tönte es dann wieder vom anderen Ende der Leitung.
Um es kurz zu machen, Susanne Oertle nahm mein Anfrage, ob sie fahren würde an, weil ich selber die Lizenz nicht hatte und sie brachte ihre Mutter Marlene Heer (wir sind nicht verwandt) ins Boot. Marlene ging früher ebenfalls mit ihrem Ex-Mann, also Susannes Vater; Walter Oertle auf Turniere. Sie betrieben zu der Zeit die Fohleweide in Weinfelden TG und Marlene war damals schon Organisatorin, wie auch für die Navigation durch die Marathonhindernisse zuständig.
 
Anfangs April übt Susanne an meinem Fahrlehrgerät die ersten Handgriffe zum 4-Spännerle. Ende April laufen unsere Pferde einigermaßen gerade und relaxed im 4er Zug.
Somit das nächste Telefon an Martin Wagner: «Hallo Martin du darfst gerne nein sagen, wir wollen deinen guten Namen als Fahrtrainer und Richter, nicht zu sehr strapazieren, falls wir am ersten Turnier eine schlechte Falle machen würden - jedoch wir brauchen Hilfe, unser erstes Turnier in Frauenfeld ist in 6 Wochen!»

Juni 2017
Erstes Quali-Turnier, Frauenfeld überlebt. Danke an die Organisation und alle Richter, welche geduldig waren, da unser Gespann jeweils, als letztes über das Dressurfeld trabte, sich durch die Hindernisse wand und die Helfer im Töggel Parcours ziemlich beübten.

Juli 2017
Zweites Quali-Turnier, Zauggenriet bei Bern. Wir glaubten es kaum selber - jedoch fast 100% Steigerung. Die Pferde gehen teilweise schon im leichten Trab durch die Hindernisse, im Gegensatz zu Frauenfeld wo noch alles im Schritt war....haha.

August 17
Tatsächlich! Wir sind an der SM in Niederwil bei Andelfingen im schönen Wyland und auf einem super Turnierplatz mit absolut schönen und originellen Hindernissen und einer top familiären Organisation. Natürlich wurden wir wie vorgesehen Letztklassierte, jedoch einen schöneren Abschluss konnte unser Projekt gar nicht erleben.
Dieses Vorhaben, welches natürliche auch einige Auf und Abs vor allem im Team ertragen musste, obwohl oder weil wir nur zu dritt waren, hatten wir doch konstant Diskussion bez. Effizienz, Trainingseinheiten, Aufwand, Kosten, usw.
Mein persönliches Credo als «Material-Verwalter» Groom und Logistiker war immer:   Es muss Spass sein und Freude machen und ein wenig «anders» sein.
So haben wir z.B. für jedes Turnier, Stallungen in der Nähe gefunden, wo unsere vier  Pferde in der Gruppe sein konnten und Auslauf oder Weide hatten.
Was wir fanden, ihnen unglaublich gut tat, um diesen neuen psychisch anspruchsvollen Job und die mentale Kopfarbeit zu verdauen.

Bei folgenden Personen möchte ich mich herzlichst bedanken, sie haben zu einem guten Gelingen beigetragen.

Kutschen Kurmann
Für speditives senden von gebrauchtem und günstigem Material wie: Gamaschen, Glocken, Ohrengarne, Bockdecken, usw.

Sattlerei Daniel Hess
Danke dass wir eure super Combigeschirre (Leder Biotan) für die Deichselpferde zur Verfügung gestellt bekamen, dies ersetzt unsere alten und gibt ein gutes Gefühl, das dass „Zeugs“ zu 100% hält. Ebenfalls Daniel ich bin begeistert von den Biotan Leinen, obwohl ich eher eine Traditioneller bin und dachte es müsste doch immer Leder sein.

Martin Wagner
Das du den Mut hattest uns als völlige Beginners in dieser Klasse zu coachen und das ich die Gelegenheit erhielt, deine „alten“ Kutschen zu erwerben.

Alle Veranstalter von Fahrturnieren und Betreiber von Infrastrukturen.
Für unser Projekt konnten wir nichts Besseres und Günstigeres erhalten, um an den Weekends schöne zusätzliche Trainings abzuhalten.

An alle Richter und Verantwortlichen,
dass sie uns erlaubt haben weiter zu machen, auch wenn unser Niveau noch sehr spärlich daher kam, vor allem am ersten Turnier.

Susanne Oertle für deine unglaubliche Energie nebst deinem 100% Job, die Pferde konditionell auf Vordermann zu haben und deiner mentalen und emotionalen Fitness das gerade mal neu Gelernte jedes Mal auf dem Turnier gleich wieder umzusetzen.

Marlene Heer und Walter Oertle, auch wenn ihr im Alltag kein Team mehr seid oder sein müsst. Es war uhhh schön zu sehen, wie die Familie zusammenhält, wenn es darauf ankommt!  Kompliment für eure Grösse in Zauggenriet sogar als Grooms eurer Tochter zu unterstützen.

Den vier Pferden welche aus einem Spleen einfach mal zusammen gespannt wurden und Tschuldigung, dass wir euch im letzten Turnier zwei mal in missliche Lagen gebracht haben und ihr nicht gleich ausgeflippt seid - der Applaus vom Publikum gehörte jeweils einzig und alleine euch


  • Livia, Freiberger, 17 Jahre  
  • Donau Zauber, Trakehner, 19 Jahre
  • Terano, CH-Warmblut, 8 Jahre
  • Chicco, D-Warmblut, 17 Jahre  

Diesen Text habe ich verfasst, um andere zu motivieren auch solche Dinge als „Projekt“ anzuschauen und anzupacken, weil dann nimmt es den „Druck“ weg und alle können von einander und miteinander profitieren. Fahrsport ist ein Team-Sport welcher Teamgeist fördert und entstehen lässt. Ich persönlich möchte diesen Sommer 2017 nicht missen und ich habe sogar nun verstanden und gemerkt, wie das Turnierfahren vor allem im Viererzug Suchtpotenzial haben kann.

Mit den besten Horsemanship-Grüssen

Urs Heer, Begründer und Leiter der HETS-Schule.
Dieses Projekt gehört in die Sparte: Wie kann Konventionelles von Natural Horsemanship profitieren und umgekehrt.

Fotogalerie Schweizer Meisterschaft

Fotogalerie Rückblick Vorbereitung auf die Schweizer Meisterschaft
 
 
 

Bisbini Projekt

 
The Proof of the Pudding – Das Bisbini Projekt

Teil 1 – November 2010
Als wir am Freitag 26. November 2010 gegen Mittag aufbrachen, wusste eigentlich niemand genau, auf was für ein Abenteuer wir uns einliessen. Die einzigen Infos die wir hatten: Irgendwo in Italien nähe Chiasso gibt es i Cavalli di Bisbino (Pferde von Bisbino). Ein Bauer hatte vor Jahren seine Haflinger frei gelassen und die haben sich jetzt zu einer Wildpferde-Herde entwickelt.
Mehr lesen

Teil 2 – Mai 2011
Im Bericht Bisbini-Bericht 1 kann man den Beginn der Geschichte lesen und mitverfolgen, wie im letzten November die ursprüngliche Haflinger-Wildpferde-Herde, bestehend aus zwei Gruppen, die eine angeführt von «Bionda», einer extrem schlauen, ca. 15-jährigen Stute, die andere geleitet von einem Maultier «Mula» genannt, in ihr Winterquartier in Lanzo (Italien) getrieben wurde. In diesem Frühling war es soweit, die Herde sollte zurück auf die Alp gebracht werden...
Hier geht es zum Bericht von Urs Heer, Horsemanship Instruktor & Pferdetrainer


Bericht von Stefan Rohr, HETS Level 3 Student:
Mustangs zämen in Italien

Als Urs mich eingeladen hat, mit ihm und Ilena nach Italien zu kommen, um Wildpferde zu zähmen, wußte ich, das würde eine einmalige Gelegenheit sein, ein ganz besonderes Erlebnis. Ursprüngliches Ziel war, die Pferde zu zähmen, so dass ein Schmied die Hufe ausschneiden kann und die Pferde am Sonntag auf eine Alm treiben. Die spannende Frage für mich war, wie funktioniert unser Horsemanship bei von Menschenhand unberührten Pferden? 20 Pferde in 3 1/2 Tagen?
Hier geht es zum Bericht von Stefan


Bericht von Ilena Forster, HETS Trainerin in Ausbildung, Level 3 Studentin:
Cavalli del Bisbino – die Mustangs Italiens

Wie aus dem Bericht «Abenteuer Wilder Westen in Italien» (Bisbini-Bericht 1) zu entnehmen, begann für mich das Abenteuer der Bisbini Pferde im letzten November 2010. Damals durfte ich dabei sein, als die Herde vom Sommerquartier (Alp), in ein Winterquartier (Gehege) getrieben wurde. Jetzt im Mai 2011 ging das Abenteuer mit den «Mustangs» Italiens weiter...
Hier geht es zum Bericht von Ilena


Bisbini-Projekt aus der Sicht von Nicole Kuderer:
(Nicole begleitete die Gruppe, um das Projekt zu fotografieren und zu filmen.)

Am Dienstag, 3. Mai 2011 gegen Mittag wurden die zwei Hänger beladen und wir machten uns auf die Reise nach Italien. Für mich eine äusserst interessante und ganz neue Erfahrung, da ich das erste Mal mit einem Hänger fuhr. Zum Glück konnte ich mich zuerst auf der Autobahn an die Breite meines Gefährts gewöhnen und so hatte ich es dann in den engen Gassen nach Lanzo hinauf relativ gut im Griff. Und bei der Befragung der Panels hinten drin kamen dann auch keine Klagen auf. An diesem Abend besuchten wir dann schon das erste Mal die Bisbino Herde und machten uns ein Bild von dem, was uns die nächsten vier Tage erwartete.
Hier geht es zum Bericht von Nicole
Hier geht es zu den Feedbacks

Teil 3 – November 2011
Wilde Pferde in Italien. Im November wurden die Pferde in Lanzo wieder mit Natural Horsemanship empfangen. Lese hier Teil 3 der spannenden Geschichte.
PDF Bericht von Ilena

Teil 4 - Mai 2012
Ein Bericht von Urs Heer über die Frühlings-Session in Lanzo, wo es wieder hiess: Hufe schneiden:

Wir waren alle gespannt, wie korporativ sich die Pferde nun zum zweiten Mal für dieses Projekt «überreden» lassen.
Das Ziel und die Vorgabe des Bisbini-Vereins ist nach wie vor, die Pferde nicht wirklich zu trainieren, sondern nur so zu domestizieren, damit das Nötigste gemacht werden kann. Die Herde soll so gut es geht eine «Wildpferde-Herde» bleiben.

Speziell in diesen Frühling war auch, dass der geplante Alp-Auftrieb «Transumanza» auf Ende Mai oder anfangs Juni verschoben wurde, aus was auch immer für «unlogischen» Gründen. Nach einer langen Schlechtwetter Periode, hat es natürlich in den Bergen Ende April noch Schneereste, jedoch die Bisbini versanken wortwörtlich in einer stinkenden Matschbrühe ihres Winterquartiers.Mit Hufeschneiden, entwurmen, etc. konnten wir am Donnerstag Nachmittag beginnen, nachdem wir entschieden hatten, für dieses Mal die Infrastruktur in die angrenzende Reitanlage zu verschieben. Erstens, um dem Matsch auszuweichen und zweitens, um von einem Hallendach zu profitieren. Es waren immer noch Regengüsse angesagt. Das hieß zuerst einmal die schweren Metall-Panels durch den Matsch schleppen und Flatterbandzäune erstellen, damit man die Herde auf die neuen «Arbeitsplätze» treiben kann. Schlussendlich war in 2 Tagen alles gemacht d.h. die Pferde erinnerten sich relativ schnell wieder, auch wenn einige natürlich in der Zwischenzeit wieder richtig «verwildert» waren, was ja schließlich auch ihr Job war.

Ein Erkundungsritt am späteren Nachmittag vom Samstag, bei Sonnenschein, hat ganz klar gezeigt, die Pferde müssen auf die Alp. Die Politik der Menschen interessiert die Natur nicht. Zu guter Letzt hatte der Vereinsvorstand Einsicht. Wetter für den Sonntag nicht optimal jedoch für die darauf folgende Woche! Am Sonntag um 6.30 Uhr treffen wir uns alle zum Frühstück. Nebelverhangen und Nieselregen. Es wäre einfacher gewesen wieder ins Bett zu gehen, zu dem wir auch viel zu wenig Leute waren.
Mit 5 Reitern und weniger als 10 Helfern ging es dann doch sehr zügig und oft spektakulär bei strömendem Regen der Sommerweide entgegen. Kurz vor Mittag saßen wir jedenfalls am Feuer im Grotto von Orimento, die Pferde am Weiden und die Sonne begann die ganze Landschaft abzutrocknen und man konnte bereits die Wärme spüren der angekündigten Schönwetter-Periode.
Der Vereinsvorstand und die Mitglieder waren überglücklich. Wir waren zufrieden und für die Pferde ist es normal, dass sie so auf die Alp gehen, damit sie nicht gleich so viel Gras fressen können, da sie sonst Koliken bekommen könnten.
Ganz herzlichen Dank an unsere zwei neuen Team-Mitglieder: Wolfgan Poppen aus Freiburg und an David Frey ein Hufschmied im 4. Lehrjahr aus Winterthur, welche geholfen haben die ganze Hufpflege rationeller zu machen.

Mit den besten Horsemanship-Grüssen
Urs Heer

Erlebnisbericht von Wolfgan Poppen, aus D-Freiburg
Erlebnisbericht von Stefan Rohr, aus D-München


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